Lassen Sie diese typischen Fehler im BGM doch einfach aus und sparen Sie Zeit, Geld und Nerven…

In den letzten Jahren durfte ich eine Menge Erfahrungen im Punkto Projektmanagement, bezogen auf Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) machen.

In dieser Zeit sind mir viele Fehler bei der Einführung oder Umgestaltung von BGM immer wieder begegnet.

Grund genug diese einmal zusammenzustellen und darzustellen, wie man diese Themen vermeidet und damit im Zweifel Geld und Zeit zu sparen, sowie die die Nerven aller Beteiligter schont.

In einem BGM Projekt geht es in der Regel nicht anders zu, als in jedem anderen Projekt auch.

Zu Beginn gibt es ein Problem, welches man lösen möchte, dann gibt es Analysephase/Bestandsaufnahme, eine Soll- bzw. Zielbeschreibung und eine Planung wie man von A nach B kommt – also zu erreichende Meilensteine und zu guter Letzt, die Umsetzung und Evaluation.

Dabei hat jede dieser Etappen ihre Hürden, die ich im Folgenden einmal für Sie beleuchten werde:

1.       Problemstellung

Ist Ihnen bewußt, welches „Problem“ Sie mit BGM in Ihrem Unternehmen gerne lösen bzw. positiv beeinflussen möchten? In Frage kommen würden z.B. krankheitsbedingte Fehlzeiten, Fluktuation, Fachkräftemangel und einiges mehr. In vielen Unternehmen hört man die Aussage, dass Ihnen BGM nichts gebracht hat. In den meisten Fällen stelle ich bei näherem Nachfragen fest, dass im Vorfeld überhaupt nicht klar definiert war, was es denn überhaupt hätte bringen sollen. Sich hierrüber im Vorfeld klar zu werden, ist daher essentiell.

Es kann natürlich sein, dass Sie ganz bewußt entscheiden, wir machen BGM, weil wir das gerne möchten, weil es zeitgemäß ist, weil wir es für unsere Pflicht halten oder ähnliches. Das sind ebenfalls ganz wunderbare Gründe für ein BGM aber auch hier sollte die dahinterliegende Absicht klar formuliert sein. 

2.       Analyse/Bestandsaufnahme

Sie werden vielleicht überrascht sein, was in einer ordentlichen Analyse alles angeschaut wird. Da kommen Ihre Personaltools und Prozesse ebenso auf den Prüfstand, wie Ihre Arbeitssicherheit (HSE), Unternehmenssteuerung, Personalentwicklung, Gremienarbeit, bisherige Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) und weitere Bereiche und Themen.

Alle diese Bereiche nehmen positiven oder negativen Einfluß auf Ihre Unternehmensgesundheit und damit auf die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Belegschaft.

Daher wäre es fast schon „sträflich“ nicht alle Einflußfaktoren anzusehen. Zumindest dann nicht, wenn Sie es als Unternehmen ernst meinen mit dem BGM.

Im Übrigen hat es sich als Vorteil herausgestellt, alle mit den oben genannten Funktionen und Personen in die Analyse mit einzubeziehen. So holen Sie alle von Anfang an mit ins Boot für die künftige Gestaltung des BGM. Doch dazu später mehr.

 3.       Soll-/Zielbeschreibung

Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig dieser Punkt ist und wie „gerne“ dieser Fehler immer wieder gemacht wird.

Wenn Sie als Unternehmen unter Punkt 1 definiert haben, welches Problem Sie mit einem BGM lösen möchten, sollten Sie auch den nächsten Schritt noch gehen und eine möglichst exakte Zielbeschreibung vornehmen.

Nehmen wir das Beispiel Fluktuation. Sie möchten, neben anderen Maßnahmen, mit dem BGM die Fluktuation senken und Ihre Mitarbeiter enger an das Unternehmen binden und so die Verweildauer im Unternehmen erhöhen. Im ersten Jahr und vielleicht auch im zweiten Jahr der Einführung eines BGM ist ein solcher Effekt noch nicht zu erwarten. Was aber ist Ihre Zielgröße im dritten Jahr, im vierten Jahr usw.?

Was ist Ihr kurz-, mittel- und langfristiges Ziel?

BGM bindet Ressourcen in Ihrem Unternehmen und muß sich letztlich auch irgendwie rechnen. Wenn Sie keine Soll-/Zielbeschreibung vornehmen, können Sie Ihre Erfolge mit dem BGM nicht messen und damit wahrscheinlich auch nicht langfristig vor Ihrer Geschäftsführung rechtfertigen.

 4.       Planung/Meilensteine

Nichts frustriert alle Beteiligten in einem Projekt so sehr, wie die Tatsache keinen Fortschritt zu sehen oder nicht zu sehen, welchen Weg man schon gegangen ist, und wie weit der Weg bis zum Ziel noch ist.

Immer noch sehe ich große Projekte ohne Projektplan. Dabei spreche ich nicht zwangsläufig von taggenauen Dokumentationen in komplizierten Projektmanagementools (mit Kanonen auf Spatzen schießen wollen wir auch nicht ;-)). Ich spreche meinethalben von einfachen Excel Sheets mit der Festlegung von Meilensteinen, ungefähren Zeitangaben und klaren Zuweisungen von Verantwortlichkeiten. Also mehr ein WER, WAS bis WANN! Das ist ungemein hilfreich in der Praxis und besonders an Tagen, an denen man meint, vor lauter Wald die Bäume nicht zu sehen. Und wer kennt diese Tage nicht ;-)?! 

5.       Umsetzung

Nach einer guten Analyse und Zieldefinition sollte man meinen, dass die Umsetzung der einfachste Teil des BGM Projekts ist oder?

In der Regel ist das Gegenteil der Fall. In dieser Projektphase zeigt sich meist, wie sehr das Thema in der Organisation wirklich gewollt ist. Wenn es daran geht, Aufgaben anzupassen, Rollen zu erweitern, Zuständigkeiten zu verändern und Dinge einfach zu tun, verlieren viele BGM Projekte oft an Fahrt.

Oftmals wird in dieser Phase erst klar, dass die Umsetzung des Konzepts echte Veränderung mit sich bringt. Viele Organisationen hatten sich so tiefgreifende strukturelle und organisationsentwicklungstechnische Veränderungen nicht vorgestellt und sind letztlich auch nicht bereit, diese wirklich anzugehen.

In dieser Phase entscheiden viele Unternehmen sich dafür, doch kein BGM einzuführen, sondern lediglich ein BGF mit ein paar netten gesundheitsförderlichen Maßnahmen für die Mitarbeiter zu etablieren.

Haben Sie hier den Vorstand oder die Geschäftsführung nicht zu 100% hinter sich und dem Projekt, werden Sie an dieser Stelle scheitern, wenn es darum geht, durchzugreifen, Ansagen zu machen und den Plan konsequent, auch gegen Widerstände, umzusetzen.

Hier zahlt es sich aus, wenn Sie alle Beteiligten von Beginn an mit ins Boot geholt haben. Aber wie gesagt, ohne Ihre Unternehmensleitung können Sie nicht gewinnen und Ihr BGM bleibt auch ewig nur ein BGF!

 6.       Evaluation

Wenn Sie über die fünfte Phase hinausgekommen sind, geht es nach einer Weile an die Evaluation. In dieser Zeit hinterfragt man kritisch, ob das gesetzte Ziel auch erreicht wurde und ob man noch auf dem richtigen Weg ist.  In der Regel werden nur leichte Anpassungen in der Konzeption und Planung vorgenommen und jährlich wieder geprüft, wo Sie im Sinne Ihrer Zielerreichung stehen.

In dieser Phase eines BGM Projekts ist den meisten Unternehmen aber oft schon die Luft raus. Man hat nach 6 Monaten noch keine Verbesserung der Zahlen z.B. Fluktuation oder auch Krankenquote festgestellt und beschließt, wir stampfen das Thema wieder ein.

Oder man stellt nach kurzer Zeit fest, der Aufwand rechnet sich nicht gegen den Nutzen.

Ein BGM ist kein Sprint, sondern ein Marathon und es ist auch keine Einzel- sondern eine Teamleistung. Wem dies nicht klar ist, der sollte prüfen, ob er nicht ein totes Pferd reitet  und seine Ressourcen auf andere Themen konzentrieren.

Es gibt sicher noch zahlreiche weitere Fehler, die man in einem BGM Projekt machen kann. Die 6 hier aufgeführten empfinde ich in meiner Beratungspraxis jedoch als die größten und häufigsten. Daher habe ich mich entschieden, diese mit Ihnen zu teilen.

An welchem dieser „Fehler“ haben Sie gerade in Ihrem Unternehmen zu knabbern? Wie haben Sie die bisherigen Hürden für sich gemeistert? 

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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