MUST HAVE oder nur „Schmuck am Nachthemd“?

In den letzten Tagen ist mir das Thema „Externe Mitarbeiterbetreuung“ oder neudeutsch auch EAP – Employee Assistance Program- wieder des Öfteren begegnet. Dabei  bemerke ich bei mir selbst eine große Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Inhalten und den dazugehörigen Begrifflichkeiten, sehe aber bei meinem Gesprächspartner oft noch Fragezeichen in den Augen.  Weil  ich EAP für ein äußerst wirksames Instrument innerhalb eines Gesundheitsmanagements halte, motiviert mich dies, einmal ausführlich vorzustellen worum es sich handelt und was es bewirken kann.

Was genau ist also EAP?

EAP ist ein Programm, welches im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) oder auch als  Einzelmaßnahme im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) stehen kann. Es richtet sich an Unternehmen, deren Beschäftigte potentiell  gefährdet sind, Einbußen der  Konzentrations- und Leistungsfähigkeit durch psychische Belastungen oder eine andere persönliche Krise zu erleiden. Es hilft bei der Identifikation von Problemen und zeigt Lösungen auf, wie die volle Leistungsfähigkeit wiederhergestellt werden kann.

Dazu schließt das Unternehmen einen Vertrag mit einem EAP Dienstleister. Die Beschäftigten des Unternehmens haben dann die Möglichkeit, sich telefonisch mit ihren Themen an den EAP Dienstleister zu wenden und im Bedarfsfall ein persönliches Gespräch mit einem qualifizierten Berater des EAP Dienstleisters zu vereinbaren. So stellt das Unternehmen sicher, dass belastende Themen, die nicht beim  Arbeitgeber adressiert werden können/sollen, dennoch sinnvoll kanalisiert werden können und so nicht unterschwellig „weiterarbeiten“. Dies bietet die Möglichkeit, den immer noch weit verbreiteten Irrtum, „wenn nichts gesagt wird, dann ist auch nichts“ weiter auszurotten.

Welche Themen können in einem EAP überhaupt adressiert werden?

Am Ende des Tages macht ein EAP nur dann Sinn, wenn der ausgewählte Dienstleister sämtliche Themen mit qualifizierten Beratern abdecken kann. Und das sollten jedem Fall Krisenmanagement, Beratung in allen Lebenslagen, Empfehlungen für berufliche und arbeitsbezogene Fragestellungen und Beratung für Führungskräfte sein.

Welche Leistungen sollte ein guter EAP Dienstleister für den Beschäftigten erbringen?

1. Telefonische Beratung in Krisensituationen

Professionelle Anbieter erbringen eine direkte und unmittelbare telefonische Beratung. Diese sollte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche gewährleistet sein. Hierfür sollte eine kostenlose Nummer eingerichtet werden.

2. Vertrauensvolle Bewertung und Beratung

Professionelle Berater, die schon einige Erfahrung im Bereich der externen Mitarbeiterberatung haben, erbringen ihre lösungsorientierten Beratungen in privaten und vertrauensvollen Büros.

3. Vermittlung an Ärzte und Spezialisten

Die externe Mitarbeiterberatung unterstützt die Betroffenen bei der Suche nach Ärzten bzw. Spezialisten. Je nach Anliegen und Bedürfnis des Kunden werden die entsprechenden Vermittlungen getätigt. Hierbei werden die Vorlieben sowie die persönlichen und finanziellen Ressourcen des Kunden berücksichtigt.

4. Stressmanagement

Die Beratung sollte so gestaltet sein, dass in Notfällen sofort geholfen werden kann. Diese umfasst die Stressbewältigung nach belastenden Ereignissen, sowie andere Krisenbewältigungsprogramme für die Führungskräfte und die Beschäftigten.

5. Missbrauch von Suchtmitteln

Wenn durch den Missbrauch von Suchtmitteln gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsplatz bestehen, sollten die Anbieter der externen Mitarbeiterberatung spezifisches Wissen und Erfahrung im Bereich der Abhängigkeit und den verschiedenen Suchtverhalten haben.  Ist dies nicht gegeben, sollte die Möglichkeit bestehen, an geeignete Stellen im Umkreis des Mitarbeiters weiter zu verweisen.

6. Zugang zu qualifizierten und objektiven Beratern

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sollten gut erreichbar und in angemessenen Räumen untergebracht sein. So ist die Ansprechbarkeit auch in dringenden Fällen gewährleistet.

7. Familienangehörige

Die verschiedenen Leistungen der externen Mitarbeiterberatung können von allen Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden. Des Weiteren dürfen auch die Angehörigen einige Leistungen nutzen.

Was bringt mir als Unternehmen ein EAP? 

Berechtigte Frage, wenn man im Auge behält, dass ein Unternehmen zunächst einmal nur eine reine Gewinnerzielungsabsicht hat und die psychische Gesundheit der Belegschaft nicht wirklich zum Kerngeschäft des Unternehmens zählt. Doch die Sorge um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten, sollte im Rahmen der Fürsorgepflicht eines jeden  Arbeitgebers einen angemessen Platz finden. ABER ehrlich gesagt, sind alle diese „weichen“ Themen in den meisten Unternehmen kein reiner  Selbstzweck und erwachsen aus einem gewissen wirtschaftlichen Interesse. Die meisten Unternehmen wissen zum Glück zwischenzeitlich sehr genau, dass nur gesunde Mitarbeiter auch leistungsfähige Mitarbeiter sind!

Untersuchungen zur Wirksamkeit von Betrieblichem Gesundheitsmanagement generell und EAP im Speziellen haben, weit über einen positiven kulturellen Zweck hinaus gezeigt, dass in Betrieben mit einem gut etablierten EAP,

–              die Produktivität gesteigert werden konnte

–              die Fehlzeitenquote sich verringert hat

–              die Unfallhäufigkeit reduziert werden konnte

–              sich Konflikte am Arbeitsplatz gelöst haben.

Durch diese positiven Aspekte konnte schließlich und letztendlich die Rentabilität der Maßnahme (ROI) sichergestellt werden. Eine echte Win-Win Situation, wie ich denke!

Wie teuer ist EAP?

Die Kosten einer externen Mitarbeiterberatung werden pro Kopf berechnet. Das Unternehmen zahlt einen fixen Betrag an den Anbieter der externen Mitarbeiterberatung. Für diesen fixen Preis, muss der Dienstleister alle Dienstleistungen erbringen, die in einem vereinbarten Vertrag stehen.

In der Regel belaufen sich die Kosten, je nach vertraglicher Laufzeit und Ausgestaltung zwischen € 3-6 pro Mitarbeiter.

Vorsicht vor reinen Preisvergleichen, ohne die dahinter liegenden Leistungen und Kompetenzen eines Anbieters genau anzuschauen.  Kostenfreie Service-Rufnummern oder Internet-Lösungen führen leicht zu einem vermeintlichen Billigpreis. Allerdings ist dies für den Anbieter nur machbar, wenn dahinter keine weiteren Beratungsleistungen angeboten werden. DAS ist kein echtes EAP.

FAZIT: EAP ist für ein Unternehmen ab 100 Mitarbeitern meines Erachtens ein absolutes MUST HAVE und trägt sich, wie oben bereits dargestellt, kostenmäßig selbst.

Mit welchen Instrumenten gehen Sie das Thema „psychische Belastungen“ in Ihrem Unternehmen an? Welche Fragen haben Sie zu EAP? Welche Erfahrungen haben Sie mit EAP in Ihrem Unternehmen gemacht? Ich freue mich über Ihre Anmerkungen und Kommentare hierzu.

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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