Wer kennt das nicht

Vielleicht kennen Sie das auch – Sie haben jemanden in Ihrem Umfeld, der Sie durch z.B. besondere Kreativität beeindruckt und Sie denken sich, warum bin ich nicht so?

Ich erinnere mich gut an meine Kindheit und an meine Cousine, die so unglaublich gut zeichnen konnte. Sie legte sich ein Motiv zurecht und malte es genauso ab. Und es sah fantastisch aus! Oder sie dachte sich selbst Dinge aus, die sie dann zu Papier brachte – meistens nur mit dem Bleistift.

Tja und dann kam ich. Ich war immer diejenige, die sich als Motiv hinlegen konnte, was sie wollte – es sah immer nach nichts aus. Oder ich hatte große Lust zu malen, setzte mich mit tollen Farben hin und saß dann vor dem leeren Block und wußte dann nicht, was ich malen soll. Zu dieser Zeit frage ich mich oft, warum ich nicht einfach so sein konnte, wie meine Cousine. 

Stärken als Geschenk annehmen 

In meinem Zeugnis in der Grundschule stand früher „ausgezeichneter mündlicher Sprachgebrauch“. An den Elternsprechtagen wurde meinen Eltern allerdings immer gesagt, ihr Kind redet wie ein Wasserfall. Pädagogisch sehr wertvoll oder ;-)?!

War das mit dem Sprachgebrauch jetzt eine Stärke, wie es im Zeugnis stand oder doch eher eine „Schwäche“, wie es kommuniziert wurde?

Nach einigen Entwicklungs- und Refklektionsprozeßen in den letzten Jahren, weiß ich natürlich heute genau, was meine Stärken sind aber die Frage ist doch, wie wir die Menschen in unserem Umfeld dazu ermutigen können, Ihre Stärken zu erkennen und sie dann auch tatsächlich als Stärke anzunehmen. Ich denke, dass viele unter Ihnen eher den von mir beschriebenen Verlauf kennen und den darf ich doch eher als suboptimal und verwirrend bezeichnen.

Kann das denn nicht auch anders gehen

Als ich im Rahmen meines Wechsels in die Selbständigkeit vor einigen Jahren meine Familie, Freunde und auch Bekannte und Kunden befragte, was sie denn wohl denken, was  meine Stärken sind, kamen teils verblüffende Antworten. Und das obwohl ich mich schon lange mit meinen Stärken und Fähigkeiten beschäftigt hatte.

Ich war überrascht, wie klar manche Dinge einfach auf der Hand zu liegen schienen und wie deutlich andere Menschen oftmals sehen, was man selbst nicht sehen kann oder möchte.

An dieser Stelle möchte ich Mut machen, einfach einmal zu fragen, wie man wahrgenommen wird. Nicht zuletzt auch, um zu überprüfen, wie es um den Abgleich zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bestellt ist. Aber Achtung, die Antworten können auch missfallen!

Den Prozeß der eigenen Wahrnehmung und Akzeptanz von Stärken und Schwächen habe ich als eher mühsam erlebt. Besonders, weil ich festgestellt habe, dass ich in der Vergangenheit stark im Aussen orientiert war und mich stets mit anderen verglichen habe, statt mich darauf zu konzentrieren, was ich besonders gut kann. Es ging immer mehr darum, zu bewundern was andere können und ich eben nicht.  Es hilft ungemein, mit dem vergleichen aufzuhören und bei sich selbst zu bleiben aber ganz ehrlich – auch das ist ein immer währender Prozeß.

Was braucht es

Ich denke, es braucht eine gewisse Reife, Motivation aber auch Zuspruch von außen, sich mit sich selbst und seinen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen und vor allem auch, um die richtigen Konsequenzen aus den Erkenntnissen abzuleiten. Das ist das, was ich mir selbst und auch meinem Umfeld schuldig bin – zu schauen, wo ich mit meinen Stärken am besten aufgehoben bin, wo ich mich am sinnvollsten einbringen und einen Mehrwert bieten kann.

Persönlich und als Karriereberaterin finde ich es besonders wichtig, Menschen Mut zu machen, auf die Suche nach Ihren Stärken zu gehen und diese dann auch annehmen zu können.  Und sie letztlich dabei zu unterstützen, einen Weg zu finden, diese dann auch bestmöglich einbringen zu können  –  nicht dort zu verharren, wo einem vermittelt wird, dass man mit seinen Stärken und Schwächen irgendwie „verkehrt“ ist! Und hier schließt sich dann für mich auch wieder der Kreis zwischen persönlicher Entwicklung, gesunder Karriere und Unternehmensgesundheit!

Wann haben Sie begriffen, dass Ihre Stärken wirklich Stärken sind? Hätten Sie sich manchmal auch lieber andere Stärken gewünscht? Haben Sie Ihren Platz schon gefunden, um Ihre Stärken bestmöglich einbringen zu können?

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade von Svenja Hofert zum Thema „Was sind Stärken“ – #wassindstaerken!

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

More Posts

Follow Me:
Flickr

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Noch eine Karriereexpertin, Angelique Thranberend, ebenso Absolventin meiner „Karriereexperte Professional“-Weiterbildung, beschäftigte sich mit Stärken aus persönlicher Sicht. Angelique und ich – zwei Neu-Hamburgerinnen verbindet die Kölner Herkunft. „Ausgezeichneter mündlicher Sprachausdruck“, so stand es in Angeliques Zeugnis. „Redet wie ein Wasserfall“, war die Übersetzung auf Elternsprechtagen. Angelique sagt, dass die Beschäftigung mit den eigenen Stärken ein Prozess sei, der nicht einfach ist. Und sie macht anderen Mut, sich Feedbacks einzuholen – absolut d´accord. Hier. […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.