Zu Beginn vielleicht erst einmal, was ein Gesundheitstag überhaupt ist.

Das ist eine Tagesaktion rund um das Thema Gesundheit, welche von einem Unternehmen organisiert wird. Dabei haben die Mitarbeitenden die Gelegenheit an verschiedenen Stationen an Messungen, Vorträgen, Informationsständen usw. teilzunehmen.

In der Regel helfen Krankenkassen, einen solchen Tag zu gestalten und durchzuführen. Manche Unternehmen gestalten einen Gesundheitstag mit einem Themenschwerpunkt z.B. Rückengesundheit, andere machen einen „Rundumschlag“ zu verschiedenen Themenbereichen wie z.B. Rückengesundheit, Stress, Entspannung usw.

Klingt gut für Sie? Ich möchte Ihnen den Gesundheitstag auch gar nicht schlecht reden. Wohl aber bei der Einsortierung in den Gesamtkontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), wie ich es verstehe, behilflich sein.

Warum machen Unternehmen einen solchen Gesundheitstag?

Für die meisten Unternehmen ist es eine praktische und vor allem kostengünstige Möglichkeit, arbeitsplatzbezogene Gesundheitsthemen adressieren zu können. Praktisch, weil die Krankenkassen in der Regel, nach Vorgabe des Unternehmens, alle nötigen Akteure für den Gesundheitstag organisieren und koordinieren. Des Weiteren kann ein Unternehmen auf sehr kompakte Art und Weise, verschiedene Themenbereiche an einem einzigen Tag bedienen und sich am nächsten Tag wieder dem Tagesgeschäft zuwenden.

Kostengünstig, weil die Krankenkassen die Gesundheitstage in der Regel voll finanzieren bzw. zumindest einen Teil der Kosten übernehmen.

Übrigens bieten, dies sei der Vollständigkeit halber erwähnt, auch manche Gesundheitsdienstleister selbst oder auch Fitness Studios Gesundheitstage an. Diese sind in der Regel aber nicht kostenlos zu haben und erfreuen sich, meiner Wahrnehmung nach, deshalb auch nicht ganz so großer Beliebtheit in Unternehmen ;-).

Wie dem auch sei – ein Unternehmen stellt die Räumlichkeiten, macht eine Agenda für diesen einen Tag und legt Anmeldelisten für die Mitarbeitenden aus und entscheidet im Vorfeld noch, ob die Teilnahme an den Aktionen Arbeitszeit ist oder außerhalb der Arbeitszeit ist. In Unternehmen mit Zeiterfassung würde dies dann „Ausstempeln“ für die Mitarbeitenden bedeuten

Aus Unternehmenssicht erst einmal eine „runde“ Sache würde ich sagen oder wie sehen Sie das?

In diesem Zusammenhang würde ich es allerdings richtig und wichtig finden, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert das Thema Mitarbeitergesundheit in Ihrem Unternehmen hat und was Sie diesbezüglich erreichen möchten. Wenn die Antwort lautet, wir möchten ab und an Impulse setzen – gut. Wenn die Antwort lautet, wir möchten Themen wie Fluktuation, demographischen Wandel, Arbeitgeberattraktivität und Fehlzeiten darüber positiv beeinflussen – weniger gut, denn dann kann ein Gesundheitstag ein guter Anfang sein aber keinesfalls das Mittel der Wahl bei der Erreichung dieser ehrgeizigen Ziele. 

Warum bieten Krankenkassen/Fitnessstudios/Dienstleister Gesundheitstage in Unternehmen an?

Jetzt fragt man sich, warum Krankenkassen Gesundheitstage in Unternehmen anbieten, zumal wir aus dem vorherigen Abschnitt wissen, dass die meisten Gesundheitstage die Krankenkassen eher Geld kosten als das sie es damit verdienen würden.

Die Antwort ist relativ einfach: Mitgliederwerbung. Die Krankenkassen haben, nicht zuletzt über das neue Präventionsgesetz, mehr Geld für betriebliche Gesundheitsförderung zur Verfügung. Dieses investieren sie gerne in Gesundheitstage, um darüber neue Mitglieder für ihre Kasse zu werben.

Sehr gerne wollen Krankenkassen auch Rahmenverträge mit Unternehmen hinsichtlich eines Komplettprogramms für die betriebliche Gesundheitsförderung abschließen. Hierrüber kann der Zeitraum für die Mitgliederwerbung verlängert werden und es ist sichergestellt, dass in dieser Zeit keine andere Kasse Zugang zu einem Unternehmen hat.

Die meisten Krankenkassen, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, haben die Mitgliederwerbung übrigens auf sehr angenehme Art und Weise betrieben und sind mir nicht durch eine aggressive Werbestrategie aufgefallen. Insofern möchte ich diese Strategie zur Mitgliedergewinnung keinesfalls be- oder verurteilen.

Die Folgeprogramme innerhalb eines Rahmenvertrages sind dann in der Regel für die Unternehmen auch nicht mehr kostenlos, wenngleich auch immer noch von den Krankenkassen bezuschusst und daher preislich immer noch sehr attraktiv für Unternehmen. Dabei habe ich in der Praxis schon Unternehmen erlebt, die nach dem Rahmenvertrag mit der einen Kasse, einen neuen Rahmenvertrag bei einer anderen Kasse abgeschlossen und sich so über mehrere Jahre hinweg mehr oder weniger kostenfreie/kostengünstige Gesundheitsaktionen für ihr Unternehmen „organisiert“ haben. 

Entscheiden Sie selbst, wie Sie darüber denken. Ich finde es unfair!

Für Fitnessstudios gilt, was die Motive betrifft, ähnliches. Das Ziel ist natürlich die Gewinnung von Mitgliedern – Einzelpersonen oder auch Unternehmensmitgliedschaften.

Dienstleister aus der Gesundheitsbranche versprechen sich nach dem Auftakt durch einen Gesundheitstag Folgeaufträge in diesem Unternehmen.

So oder so, dienen die Gesundheitstage der Akquise – und dies für alle Seiten auf recht angenehme Art und Weise, da man sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen kann. 

Was haben Mitarbeitende davon?

Für Mitarbeitende ist so ein Gesundheitstag erst einmal eine feine Sache, würde ich behaupten. Sie können sich an einem Tag zu verschiedenen Themen informieren, an Messungen teilnehmen, Techniken kennenlernen und erlernen und spannenden Themenvorträgen lauschen.

ABER dann kommt der nächste ganz normale Arbeitstag…

In der Regel dient dieser Tag dazu, Impulse zu geben und zu bekommen und diese dann in Eigenregie weiterzuverfolgen.

In meiner Wahrnehmung gelingt dies jedoch in der Regel nicht. Der Transfer eines einzelnen Impulses in den Alltag findet in dem meisten Fällen nicht statt und die positive Wirkung des Gesundheitstages verpufft sehr schnell.

Oft erinnert man sich als Mitarbeiter noch eine Weile daran, dass das Unternehmen einen Gesundheitstag angeboten hat. Die Bemühung um die Mitarbeitergesundheit wird zumeist auch positiv gesehen.

Warum ist das noch kein BGM? Wie ich BGM verstehe und welche Rolle dabei der Gesundheitstag spielt

Das BGM aus meiner Sicht ist ein strategisches Instrument, um Unternehmensziele wie die Begleitung des demographischen Wandels, die Fluktuation, den Fachkräftemangel oder eine Fehlzeitenthematik positiv zu begleiten und zu beeinflussen. Das BGM setzt eine langfristige Sichtweise voraus.

Ein Gesundheitstag ist eine Maßnahme zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), die auf das Verhalten einzelner Mitarbeiter abzielt und nichts an den Verhältnissen in einem Unternehmen verändern wird. Ein Gesundheitstag ist eine kurzfristige Maßnahme.

Damit werden die Chancen aber auch die Grenzen eines Gesundheitstages noch einmal sehr deutlich, wie ich finde.

Wenn ein Unternehmen sich dieser Chancen und Grenzen bewußt ist, bin ich ein absoluter Freund von Gesundheitstagen. Wenn dies nicht der Fall ist und ich den Eindruck gewinne, ein Unternehmen „benutzt“ den Gesundheitstag, um ein „Pflaster auf eine klaffende Wunde“ zu kleben, dann bin ich KEIN Freund von Gesundheitstagen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage, dass in diesen Fällen ein schönes Instrument ad absurdum geführt wird.

Mitarbeitende bekommen in der Regel übrigens sehr schnell mit, wie ernst es einem Unternehmen mit dem Thema Mitarbeitergesundheit ist. Im Zweifel werden Sie es an Ihren Teilnahmequoten erkennen, denn aus meiner Erfahrung heraus bleiben Mitarbeiter einfach weg, wenn sie merken, dass eine Maßnahme nur „Makulatur“ ist.

 Wie sind Ihre Erfahrungen mit Gesundheitstagen? Warum haben Sie sich für Gesundheitstage oder auch dagegen entschieden?

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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