In den letzten Monaten habe ich zum Thema „Sinnvolle Kennzahlen im BGM“ bereits den ein oder anderen Artikel geschrieben.  Weiterführend auch über den sogenannten Work Ability Index.

Die Arbeitsunfähigkeits-Quote als Kennzahl hat auch in diesen Artikeln bereits eine Rolle gespielt. Aus aktuellem Anlass möchte ich das Thema jedoch noch einmal tiefergehend beleuchten.

Zum einen stelle ich fest, dass sich derzeit auf dem Markt viele Anbieter im Bereich BGM tummeln, die marktschreierisch damit werben, die AU Quote in Ihrem Unternehmen um x% zu senken. Ganz ehrlich, wenn diese Anbieter die Formel für diesen Kunstgriff gefunden hätten, hätten sie es nicht mehr nötig, solche Werbung zu machen. Ich darf Ihnen an dieser Stelle raten, ihre Beraterauswahl sehr sorgfältig zu treffen. Nur so viel: Ein seriöser Berater, der sein Handwerk versteht, wird Ihnen NIEMALS die Senkung der AU Quote mittels BGM versprechen!

Den Rest wird hoffentlich die natürliche Selbstreinigungsfunktion des Marktes übernehmen, an die ich fest glaube ;-).

Zum anderen stelle ich fest, dass Kunden nach einigen Runden mit Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) den Wunsch haben, Ihre künftigen Maßnahmen an „harten“ Fakten auszurichten. Ein Wunsch, den ich nachvollziehen kann. Allerdings sollten wir über die richtige Auswahl der „harten“ Fakten sprechen.

Was drückt eine AU Quote überhaupt aus

Gesundheit in einem Unternehmen ist durch viele Faktoren beeinflusst.

Zahlreiche Aspekte wirken direkt oder indirekt auf die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden ein:

  • Grippewelle oder andere Erkrankungswellen
  • Demografie
  • Unternehmenskultur
  • Führungsverhalten
  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsgestaltung
  • Arbeitsumgebung
  • Lebensverhältnisse der Mitarbeitenden
  • etc.

Dies heißt in der Folge, dass eine AU Quote Ihnen als Unternehmer zeigt, dass einer oder eher mehrere dieser Faktoren in Ihrem Unternehmen wirken.

Die Krux ist, Sie wissen nicht welche und deshalb wissen Sie auch nicht, an welcher Schraube es zu drehen gilt!

Es war einmal…

So fangen doch immer die Märchen an, Sie erinnern sich?! Dann „schrauben“ wir in unserem Märchen jetzt einmal vermeintlich an der AU Quote, in dem wir z.B.

  • Langzeitkranke kündigen
  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag einfordern
  • Rückkehrgespräche nach jeder Fehlzeit einführen
  • u.v.m.

Wird Ihre Krankenquote damit sinken? Ja, wahrscheinlich wird sie das sogar – kurzfristig. Aber um welchen Preis? Die Nachricht, die sie an Ihre Belegschaft aussenden ist MISSTRAUEN. Die Konsequenzen daraus werden Ihnen nicht gefallen. Und so hätte das Märchen kein happy end. Vor allem nicht, wenn Sie diese Art von Maßnahmen unter der Fahne Ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) laufen lassen, denn Sie hatten sich ja zum Ziel gesetzt, mit BGM Ihre Krankenquote zu senken.

Wenn Sie also solche Maßnahmen ergreifen wollen und manchmal ja auch müssen, tun Sie es besser nicht unter der BGM Fahne sondern entkoppeln Sie dies besser und geben das Thema zur Umsetzung in Ihr Personalmanagement. So geben Sie zwar immer noch indifferente Signale in Ihr Unternehmen, machen sich aber das BGM nicht gänzlich kaputt!

Wo ist der Hebel

Wenn Sie das volle Potential eines BGM heben wollen, sollten Sie sich auf ganz andere Dinge konzentrieren.

AU-Quote versus Produktivität

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: entnommen aus einer Präsentation der IAS Unternehmensberatung GmbH

Dieses Schaubild verdeutlicht auf beeindruckende Art und Weise, dass Ihr Hebel für ein erfolgreiches BGM und damit auch in der Erhaltung bzw. Steigerung der Produktivität Ihres Unternehmens ganz woanders liegt.

Noch einmal, um es ganz klar zu haben. Mit einer Konzentration auf die AU Quote verpulvern Sie viele Ressourcen und können nur ein Potential von ca. 5% mehr Produktivität heben.

Konzentrieren Sie sich aber auf die 95% der Mitarbeiter, die anwesend und zufrieden sind, anwesend aber unzufrieden und anwesend aber krank sind, heben Sie ein Potential von 15% in Ihrer Produktivität. 5% versus 15%  –  ist das nicht beeindruckend!?

Das heißt im Umkehrschluss für Ihr BGM, dass Sie sich mit Ihren Maßnahmen und Aktionen auf die anwesenden Mitarbeiter kümmern sollten und für diese Mitarbeitergruppe Rahmenbedingungen schaffen sollten, die motivierend sind und die Leistungsfähigkeit erhalten.

Fazit

Schonen Sie sich selbst und die Ressourcen Ihres Unternehmens und setzten Sie da an, wo Sie auch etwas erreichen können. Ganz dem Minimax Prinzip folgend: minimaler Einsatz – maximaler Erfolg!

Drehen Sie schon an den richtigen Stellschrauben oder verschwenden Sie noch wertvolle Ressourcen mit der Konzentration auf die falschen Ziele im BGM?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Einschätzungen und Erfahrungen hierzu.

Wenn Sie sich bei der Konzentration auf die lohnenden Ziele in einem BGM von mir unterstützen lassen möchten, lade ich Sie herzlich zu einem kostenfreien Kennenlerngespräch mit mir ein. Buchen Sie sich über den Pop Up Kontakt Button am unteren rechten Bildrand, Ihren Wunschtermin für unser Gespräch via Skype.

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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2 Kommentare
  1. Franziska Salomon sagte:

    Danke für den interessanten Beitrag, der einen ganz anderen Blickwinkel auf das BGM eröffnet. Wenn ich die Grafik richtig interpretiere, dann wäre es doch betriebswirtschaftlich sinnvoll, den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen, die zwar zur Arbeit kommen, aber eigentlich krank sind. Diese Mitarbeiter verursachen den höchsten Produktivitätsverlust mit 14%. Eine geeignete Maßnahme wäre, diese Mitarbeiter nach Hause zu schicken, um sich richtig auszukurieren. Das würde zwar einen kurzfristigen Produktivitätsverlust verursachen, langfristig wären die Mitarbeiter nach ihrer Genesung wären dafür wieder voll einsatzfähig. Diese Maßnahme würde eine Kultur der Achtsamkeit im Umgang mit der eigenen Gesundheit voraussetzen. Stattdessen wird in den Unternehmen ein informeller Wettbewerb geführt, wer am wenigsten krank ist und den wenigsten Urlaub nimmt. Diese Challenge scheint absurd, da sie dazu führt, dass sich Mitarbeiter krank an den Arbeitsplatz schleppen und keine Auszeit zur Regeneration nehmen. Führungskräfte prägen die Kultur des Umgangs mit der Gesundheit. Gerade sie gehen am unverantwortlichsten mit ihrer Gesundheit um. Führungskräfte brüsten sich gerne damit, wie viele Überstunden sie machen. Ein Image, das der Produktivität letztlich schadet. Wie viele Mitarbeiter müssen noch psychisch erkranken, damit sich das Gladiatorenbild im Management endlich verändert. Präsent sein heißt eben nicht unbedingt produktiv sein. Achtsamkeit dagegen fördert langfristig die Produktivität und Innovationskraft.

    Antworten
    • A. Thranberend sagte:

      Liebe Frau Salomon, danke für Ihren Kommentar. Ich kann Ihnen zu 100% beipflichten. Das Gleichnis mit einem „Gladiatorenbild“ finde ich vortrefflich. Herzlichen Dank dafür. Es lohnt sich dranzubleiben und ich freue mich, diese Art von „Mindshift“ in Unternehmen begleiten zu dürfen. Wir leben in einer spannenden Zeit. Herzliche Grüße Angélique Thranberend

      Antworten

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