Den meisten Unternehmen ist die sogenannte „Gefährdungsbeurteilung“ nach §5 Arbeitsschutzgesetz sicher bereits ein Begriff.

Aber wussten Sie, dass die allgemeine Gefährdungsbeurteilung im Jahr 2013 um den Punkt der sogenannten „psychischen Belastungen“ erweitert wurde?

Aber nochmal zurück auf Anfang, für diejenigen, die noch nie etwas von diesem sperrigen Begriff gehört haben. Im anliegenden Video erkläre ich kurz, worum es sich handelt:

Was genau bedeutet jetzt „psychische Belastung“ und warum sollten Sie sich in Ihrem Betrieb damit auseinandersetzen?

Bei der Gefährdungsbeurteilung „psychische Belastungen“ werden vor allem vier Bereiche angeschaut:

  1. Arbeitsorganisation
  2. Arbeitsinhalt
  3. Arbeitsmittel- und umgebung
  4. Soziale Beziehungen.

Die psychische Belastung umfasst also alle Merkmale, mit der man Arbeit beschreiben kann und die auf den Menschen einwirken. Psychisch einwirken bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Merkmale auf die Gedanken, die Gefühle und/oder auf das Verhalten einwirken können.

Wie ist bei der Einführung vorzugehen?

Für die Erhebung der Gefährdungsbeurteilung gibt es noch kein standardisiertes Vorgehen. Es gibt keine Vorschriften, die darüber Auskunft geben, WIE eine solche Erhebung zu erfolgen hat. Festgeschrieben ist nur, DAS sie im Abstand von 3-5 Jahren zu erfolgen hat.

Viele Betriebe führen die Analyse daher in Form von strukturierten Interviews durch und geben die Verantwortung für die Durchführung des Prozesses in die Hände ihres sogenannten ASA Gremiums (Arbeitssicherheitsausschuss), der in Betrieben ab 20 Mitarbeitern einzurichten ist. In diesem ASA sind dann alle Akteure aus dem Bereich der Arbeitssicherheit vertreten. Dazu gehören Sie als Arbeitgeber, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsrat und der Betriebsarzt.

Wer ist für den Prozeß verantwortlich?

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen bereits ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) etabliert haben, können Sie die Verantwortung für die Durchführung des Erhebungsprozesses auch die Hände der BGM Verantwortlichen legen. In jedem Fall haften Sie als Arbeitgeber aber für die ordnungsgemäße Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und das ist auch einer der Gründe, warum Sie sich persönlich mit der Thematik befassen sollten.

Die Berufsgenossenschaften als zuständige Aufsichtsbehörde prüfen das Vorliegen der Gefährdungsbeurteilung mit steigender Tendenz. Der Einstieg in eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung mit Berücksichtigung der psychischen Fehlbelastungen fällt, neben der ohnehin gesetzlichen Verpflichtung, sicher dann am leichtesten, wenn konkrete Themenstellungen auftreten, die zu bearbeiten sind, und/oder wenn im Betrieb bereits vorhandene Strukturen, wie z.B. Qualitätszirkel oder ASA Sitzungen genutzt werden können.

Wann ist der beste Zeitpunkt die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung in Angriff zu nehmen?

Konkrete Anlässe, die es nahelegen, sich mit der Belastungssituation der Beschäftigten auseinander zu setzen, sind zum Beispiel ein hoher Krankenstand, eine hohe Fluktuation, ein schlechtes Betriebsklima, mangelnde Kommunikation und Mobbingfälle.

Aber ob mit oder ohne konkrete Anlässe werden Sie angesichts dieser gesetzlichen Vorschriften, wahrscheinlich nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen, da die Erfüllung dieser Norm erst einmal ein „Mehr“ an Arbeit in Ihrem Betrieb verursacht. Auf der anderen Seite müssen Sie sich nicht persönlich um die Durchführung des Prozesses kümmern und in alle Details einarbeiten. Sie können sich jederzeit fachkundige, externe Beratung und Unterstützung ins Haus holen.

Am Ende des Tages bietet die Beschäftigung mit dieser Thematik Ihnen als Unternehmen eine große Chance, denn über 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen jährlich sind verbunden mit Ausgaben in Milliardenhöhe für Volkswirtschaft und Unternehmen (Quelle: Stressreport 2012, BMAS). Im Jahre 2015/2016 wurden die zweit meisten Fehlzeiten in Betrieben durch psychische Erkrankungen verursacht.

Das Thema psychische Erkrankungen ist also längst in den Betrieben angekommen und kann nicht länger ignoriert werden.

Die Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung um den Bereich der psychischen Belastungen kann insofern nur als konsequent bezeichnet werden, da es längst die betriebliche Realität wiederspiegelt. Nutzen Sie die Erhebung als Ist-Analyse, als Spiegel der Thematik für Ihren Betrieb und steuern Sie mit maßgeschneiderten Lösungen frühzeitig gegen.

Fazit

Helfen Sie der Thematik aus der „Tabu-Ecke“ heraus und seien Sie mit Ihrem Unternehmen Vorbild und Ansporn für andere! UND ganz nebenbei…Ihrem Image als Unternehmen werden Maßnahmen zur Gesunderhaltung Ihrer Belegschaft sicher nicht schaden. Womit sich hier auch der Kreis zum demographischen Wandel und zum Fachkräftemangel wieder schließt!

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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