Personalmangel in der Pflege 

Im Juli ist der BKK Gesundheitsatlas 2017 erschienen. Schwerpunkt waren in dieser Ausgabe die Gesundheitsberufe.

„Keine Pause, keine Gespräche und Besprechungen möglich mit Leitung und Ärzten, Kopfschmerzen, keine Zeit zum Trinken“. Das schreibt eine Pflegekraft in einer Gefährdungsanzeige. Derartige Hilfeschreie sind sowohl in deutschen Krankenhäusern als auch in Pflege- und Altenheimen alltäglich. Sie belegen neben der hohen Arbeitsbelastung vor allem den massiven Personalmangel im Gesundheitswesen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten hat nun die BKK untersucht.

Das Ergebnis: Beschäftigte im Gesundheitswesen sind überdurchschnittlich oft und lange krank, leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen als Beschäftigte anderer Berufe, und scheiden früher aus dem Beruf aus.

In Krankenhäusern und in der Altenpflege herrscht ein eklatanter Personalmangel. Bereits im Februar 2013 stellte ver.di fest, dass 162.000 Beschäftigte in deutschen Krankenhäusern fehlen, davon rund 70.000 in der Pflege. Dieser Mangel gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten. Laut der internationalen RN4Cast-Studie ist eine Pflegefachkraft in Deutschland durchschnittlich für 13 Patientinnen und Patienten zuständig, in den Niederlanden sind es sieben. Der ver.di-Nachtdienstcheck ergab, dass in den Nachtschichten auf Normalstationen eine Pflegefachkraft durchschnittlich für 26 Patientinnen und Patienten allein verantwortlich ist. Das führt zu Zeitnot durch Personalmangel und fehlenden Ruhepausen.

Neben enormen körperlichen Belastungen finden sich die Pflegekräfte so auch im Widerspruch zwischen fachlichen Ansprüchen an die eigene Arbeit und der alltäglichen Realität, die professionelle Ansprüche an eine gute Pflege unterläuft. Burnout und andere psychische Erkrankungen oder aber die Flucht aus dem Beruf können die Folgen sein.

Hinzu kommen prekäre Arbeitsverhältnisse, wie Teilzeitbeschäftigung oder Befristungen. Oft ist die Teilzeit nicht selbst gewählt: In Ostdeutschland werden kaum noch Vollzeitstellen für Altenpfleger/innen angeboten und viele Pflegekräfte reduzieren auf Teilzeit, weil sie der großen Belastung des beruflichen Alltags sonst nicht standhalten.

Die Arbeitsbedingungen in pflegerischen Berufen gefährden die Gesundheit der Pflegekräfte, so lautet das besorgniserregende Fazit des aktuellen BKK Gesundheitsatlas, für den 2.000 Beschäftigte aus verschiedenen Branchen zum Thema „Gesundheit und Arbeit“ befragt.

Bei der Datenanalyse lag ein besonderer Fokus auf den Beschäftigten aus Kranken- und Altenpflege. Laut des BKK Gesundheitsatlas sind Beschäftigte, die in der Pflege arbeiten, signifikant länger krank und leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen als der Durchschnitt aller Arbeitnehmer/innen. Rund 24 Tage fallen z.B. Beschäftigte in Pflege- und Altenheimen aufgrund von Krankheit aus, während Beschäftigte aus allen anderen Berufen im Schnitt 16 Tage krank sind. Als Hauptursache für die hohen Fehlzeiten in den Pflegeberufen nennt der Gesundheitsatlas psychische Störungen.

Um die Arbeitskraft der Pflegenden zu erhalten, empfiehlt der BKK Gesundheitsatlas den Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF)*.

*Quelle: Text & Bild übernommen aus der Pressekonferenz des BKK-Dachverbands am 5. Juli 2017, Maren Skambraks, Berlin

Persönliche Ergänzung

Ich denke alleine mit einem Ausbau der BGF ist dem Problem nicht beizukommen. Es empfiehlt sich die Einführung eines strategischen Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), wovon BGF nur ein Teil ist. Insbesondere gilt es in Klinik- bzw. Pflegebetrieben besonderen Wert auf die ohnehin gesetzliche Bestimmung zur Einführung der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung zu legen, um den jeweiligen Gefährdungen von vorneherein wenig Raum zu geben.

Wenn Sie sich über die Einführung der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung informieren möchten, empfehle ich Ihnen meinen kostenfreien Videoeinführungskurs zu diesem Thema. Hier können Sie sich eintragen!

Wenn Sie direkt mit der Einführung beginnen möchten, empfehle ich Ihnen meinen 8 teiligen Selbstlern-Online Kurs. Hier finden Sie Details zu den Inhalten und zur Bestellung.

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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